There’s shrimp in the egg rolls

Hier kommt jetzt eine kurze Werbeunterbrechung für eine meiner Lieblingsserien in diesem Jahr. Ich schwör’, ich kriege nichts dafür.

 


 

Dieses Jahr war ungeheuer, ungeheuer seltsam. Nota bene: Ich beschwere mich an dieser Stelle gewiss nicht über das, was besser hätte laufen können, ich beobachte nur. Für Serien hatte ich 2017 komischerweise immer Zeit, und eine der besten, die ich gesehen habe, war The Marvelous Mrs. Maisel. Mit der umwerfenden Rachel Brosnahan in der Hauptrolle, Dialogen, an denen man sich schneiden kann, und einem Kostümdesign, dass einer schwindlig wird vor lauter Ehrfurcht. Besonders hervorzuheben auch die Performance von Alex Borstein, ohne die die Serie nie geworden wäre, was sie ist.

Produziert wurde diese Serie von Amazon. Wie schon andere tolle Serien zuvor, ich denke an Transparent, trotz einer recht offenkundigen Fehlbesetzung in meinen Augen ein Meilenstein. Oder an I Love Dick,  dessen Verfilmung mit Kathryn Hahn zeigt, zu welch unverfrorenen, überfälligen Statements der kleine Bildschirm fähig ist.

Weil ich im echten Leben ein Fan bin von The Marvelous Mrs. Maisel, bin ich das auch auf Facebook geworden – mit der ernüchternden Konsequenz, dass ich nun eine Menge Werbeanzeigen bekomme, und zwar über den Feed der offiziellen Fanseite. Ich könne mir ein Outfit, wie Midge Maisel es trägt, doch einfach bei amazon.com zusammenklicken. Zeitlos sei es außerdem. Naja. Zu Forschungszwecken habe ich den Link angeklickt und die gezeigten Kleider waren nicht einmal ein billiger Abklatsch dessen, was die Kostümdesignerin Donna Zakowska und andere für die Serie geleistet haben. Man kann gar nicht genug hervorheben, wie gelungen die Serie auch visuell ist, umso mehr fällt auf, was man da für einen lieblos zusammengeschusterten Ramsch angeboten bekommt. Und das im Namen einer Serie, die es selbst nach zehn durchwachten Nächten, abwechselnd im Gefängnis, auf Stand-up-Bühnen und im Babyzimmer verbracht, besser kann. Diese Vermarktungsstrategie ist sowas wie die Garnele in der Frühlingsrolle, je nach Geschmack entweder fehl am Platz oder ungenießbar, und ganz sicher nicht kosher.

Es macht also womöglich doch einen Unterschied, ob eine Serie von einem “Online-Versandhändler mit einer breit gefächerten Produktpalette” (so der Wikipedia-Artikel über Amazon) produziert, vertrieben und vermarktet wird oder einfach von einer ganz klassischen Produktionsfirma. Auf der Website hollywoodbranded.com heißt es zum Beispiel über die Möglichkeiten des Product Placements:

What makes Amazon Video different from other streaming services is that it offers more than just a streaming service; users can rent or buy content as well. According to a study done by Consumer Intelligence Research Partners (CIRP), while Netflix remains the king of streaming, Amazon Video has a higher viewership when you factor in the content users buy and rent on top of streaming.

Im Zweifelsfall hätte diese grandiose Serie wohl bloß ein besseres, gerne subtileres Marketing verdient. Die Geschichte berührt ganz bestimmt auch deshalb einen wunden Punkt, weil ich dem Unternehmen Amazon keinen Cent gönne und doch die hauseigenen TV-Produkte so unglaublich gut finde, dass ich nicht darauf verzichten möchte. Diesen Widerspruch muss man auch erstmal aushalten. Dass Amazon diese Einnahmequellen, die es nun mal hat, auch nutzt, sollte niemanden wundern – wenn Netflix auch Kleidung verkaufen würde, könnte man ja sicher gleich dort das tolle Kleid von Eleven aus Stranger Things bestellen, das mit dem Peter-Pan-Kragen, statt sich auf Etsy die Augen quadratisch zu suchen. Aber kaufen muss ich mir deshalb natürlich trotzdem nichts von dem Plunder. Die Vorstellung, dass das über den Kleiderverkauf eingenommene Geld einfach wieder zurückfließt in die üppige Ausstattung einer zweiten Staffel, ist jedenfalls so versöhnlich wie naiv.

Die besagte Facebook-Seite kann man ja auch wieder abbestellen. Idealerweise nicht sang- und klanglos. Lasst uns überhaupt lieber einmal zu oft das Mikrofon kapern, wenn’s sein muss angeschickert und im Negligé. Midge Maisel würde es schließlich genauso machen.


Weiterführendes zur Serie:

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