W i d e r

Für den (nur mehr heute aktuellen) Freitag habe ich ein Gespräch mit Thomas Stangl geführt. Seine Erzählung “Die Toten von Zimmer 105” wird heuer mit dem Wortmeldungen-Preis ausgezeichnet; wir haben über das utopische Potenzial von Altenheimen gesprochen, über Geister und Gespenster, Ordnung und Regeln. Und über Literatur.

Weil ja am Ende nie alles in der Zeitung steht, kommt das schöne Wort Widerspiel im Text nicht vor, aber dafür der Widerstand. Bei einem Spaziergang durch den Dritten Bezirk, durchs Ungargassenland in Richtung Universität für Musik und Darstellende Kunst, war der mir kurz zuvor schon mal entgegengesprungen. Auch in einer möglicherweise bescheidenen beziehungsweise wenig illusorischen Form, aber man weiß ja nie, wen man so trifft mit den Worten, die man aus dem Fenster und in die offene Straße hängt.

Ich freue mich, dass der Text viel Raum bekommen hat. Nachzulesen ist er hier.

Ich habe früher in der Leopoldstadt gewohnt. Auf meinen Spaziergängen durch das früher jüdische Viertel habe ich versucht, zu sehen und in Literatur zu übersetzen, was mit diesen Räumen und in diesen Räumen passiert ist. Auch etwas zu vergegenwärtigen, was sich dieser fürchterlichen und katastrophalen Geschichte entgegensetzen lässt. Bei meiner Idee von Gespenstern geht es immer um eine Vergegenwärtigung, die auch eine Form von Widerstand gegen historische Gewalt sein kann – sagen wir mal: eine bescheidene Form von Widerstand. Bescheiden ist auch das falsche Wort. Ein Widerstand ohne große politische Illusionen.

 

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