„Auwald“

Ich laufe sicher schon eine halbe Stunde, mindestens, als ich zu meiner Rechten das Industriegelände sehe, das zu einem Chemiekonzern gehört. Dafür, dass dort Plastik hergestellt wird, riecht es hier nach wenig. Ich mochte es immer gern, bei der Fahrt mit der S-Bahn vom Flughafen kommend, kurz vor dem Eintritt in die Stadt, dieses Mad-Max-Gelände zu passieren, wo es aus den Rohren brannte und alles hochgefährlich aussah, obwohl natürlich nichts passieren konnte. Jeder noch so kleine Lapsus, wie damals, als ein Kanalrohr undicht war und etwas mehr Plastik als normal über die Schwechat in die Donau gekommen ist, wurde gleich ausgebessert, und zur Beruhigung der Bürger schnell eine unabhängige Studie gesponsert. Meines Wissens ein vorbildliches Unternehmen. Und jetzt steht es still. Die Metallrohre reflektieren das Licht nicht vorhandener Sterne. Da und dort blinkt eine Notleuchte, das war’s. Am Merkwürdigsten ist die Ruhe, nicht einmal die Bäume bewegen sich, die Blätter und Gräser haben aufgehört zu rauschen. Die Grillen halten den Atem an.
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Jana Volkmann
Auwald
Hardcover, ca. 200 Seiten
Preis: 20,00 €
ISBN: 9783957324467
erscheint am 08.09.2020

mischen #4

26. März 2020, 19 Uhr, format (*.strk), Wien: Heftpräsentation mischen #4

„wir müssen alle mal durch den hades / das ist nur eine frage der zeit“ – das vierte Heft von mischen fängt mit Medeas Worten (Traumfrauen / Dorina Marlen Heller) an. Was der ‚Hades‘ sein kann, durch den wir alle durchmüssen, darauf geben die Texte des Heftes unterschiedliche Antworten und werfen differenzierte Lichter auf dunkle Unterwelten. Die eigene Geschichte erzählen zu können bzw. zu dürfen und das Schreiben an sich (in Auseinandersetzung mit dem ‚Anderen‘) sind zwei Themen, mit denen sich die Figuren in den Texten der Dark Edition auseinandersetzen – am Donnerstag, dem 26. März bekommt ihr bei unserer Lesung einen Einblick in die Textwelten des Heftes.

Es lesen die mischen#4-Autorinnen:
Jana Volkmann
Barbara Rieger
Julia D. Krammer
& Hannah Bründl

… and some of us returned / and some of us did not

JENNY passiert

83286143_1329671147234399_4413245515601281024_n1. Februar 2020, Museumsquartier Wien | JENNY lässt Revue passieren. 7 Ausgaben. Davon 2 ausgezeichnet als Schönstes Buch Österreichs. 135 AutorInnen. Massig gute Gedichte. i-Punkte wie Sand am JENNY-blauen Meer.

18.30 Eröffnung in der #literaturpassage · Künstlerische Umsetzung eines Gedichtes von Cornelia Hülmbauer durch Tina Graf · Lesung der Autorin · limited edition Postkarten mit 7 Gedichten aus JENNY 1 – 7 · erhältlich à 2€ im Automaten in der Passage

19.00 Lesung im Raum D im MQ · aus JENNY 7 · mit Andra Schwarz, Christoph Michels, Mirjam Wittig, Pauline van Gemmern, Jana Volkmann, Katharina Klein · Musik Sebastian von der Thannen · Moderation Dora Kae & Bettina Scheiflinger· Eintritt freie Spende

Dagegen

Ich bin über den Sommer in eine Recherchegrube gefallen und als ich rauskam, schrieb ich diesen Artikel. Über die Proteste in Japan gegen die Olympischen Spiele – die sich u.a. gegen die Vertreibung von Obdachlosen aus Parkanlagen richten – habe ich mit William Andrews gesprochen.

Und Yu Miris Roman Tokyo Ueno Station hilft sehr, die Zusammenhänge zwischen heutiger Obdachlosigkeit, der Geschichte der Bauindustrie und den Olympischen Spielen in Japan zu verstehen.

Zu lesen im aktuellen Freitag –

W i d e r

Für den (nur mehr heute aktuellen) Freitag habe ich ein Gespräch mit Thomas Stangl geführt. Seine Erzählung “Die Toten von Zimmer 105” wird heuer mit dem Wortmeldungen-Preis ausgezeichnet; wir haben über das utopische Potenzial von Altenheimen gesprochen, über Geister und Gespenster, Ordnung und Regeln. Und über Literatur.

Weil ja am Ende nie alles in der Zeitung steht, kommt das schöne Wort Widerspiel im Text nicht vor, aber dafür der Widerstand. Bei einem Spaziergang durch den Dritten Bezirk, durchs Ungargassenland in Richtung Universität für Musik und Darstellende Kunst, war der mir kurz zuvor schon mal entgegengesprungen. Auch in einer möglicherweise bescheidenen beziehungsweise wenig illusorischen Form, aber man weiß ja nie, wen man so trifft mit den Worten, die man aus dem Fenster und in die offene Straße hängt.

Ich freue mich, dass der Text viel Raum bekommen hat. Nachzulesen ist er hier.

Ich habe früher in der Leopoldstadt gewohnt. Auf meinen Spaziergängen durch das früher jüdische Viertel habe ich versucht, zu sehen und in Literatur zu übersetzen, was mit diesen Räumen und in diesen Räumen passiert ist. Auch etwas zu vergegenwärtigen, was sich dieser fürchterlichen und katastrophalen Geschichte entgegensetzen lässt. Bei meiner Idee von Gespenstern geht es immer um eine Vergegenwärtigung, die auch eine Form von Widerstand gegen historische Gewalt sein kann – sagen wir mal: eine bescheidene Form von Widerstand. Bescheiden ist auch das falsche Wort. Ein Widerstand ohne große politische Illusionen.