Verschwundene & Verlängerte

Es war mir eine große Freude, mit Jürgen Schütz vom sagenhaften Septime Verlag über seine Arbeit zu sprechen und dabei nicht zwei, nicht drei und auch nicht vier Kaffee im Rüdigerhof zu trinken. Erschienen ist das Verlagsportrait, das irgendwie auch ein Verlegerportrait ist, im Krimi-Spezial des Freitag. Die Überschrift und die ganzen Paratexte kommen nicht von mir, umso schöner der Zufall, dass auch noch ein unbeabsichtigter Verweis auf Wolfgang Popp sich hineingeschlichen hat.

https://www.freitag.de/autoren/janav/die-verschwundenen

I Love I Love Dick

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Den gab’s als Abo-Prämie.

Im Freitag habe ich etwas über Chris Kraus’ Roman I Love Dick (Matthes & Seitz) geschrieben. Das darf gern als Empfehlung verstanden werden, oder – fast noch lieber – als Einladung zur Diskussion über den Text. Denn zu diskutieren gibt es da viel, auch über Frauenbilder und Männerbilder, über weibliche Kunst, weibliche Stimmen, weiblichen Intellekt.

Es hat zwanzig Jahre gedauert, bis das Buch zum ersten Mal ins Deutsche übersetzt wurde – übrigens ganz beeindruckend durch Kevin Vennemann. (Darum das Wort Spätruhm, das im Angesicht der Künstlerinnenbiografien, die da verhandelt werden, schon eine gewisse Ironie enthält.) Es wäre durchaus interessant, den Roman vor dem Hintergrund heutiger feministischer Diskurse auch nochmal gegen den Strich zu lesen. Dem Buch wünsche ich jedenfalls viele Lesezirkel, die sich damit auseinandersetzen, viel Begeisterung und überhaupt viel Aufmerksamkeit.

“Die entzückende Widmung hat den Nachteil, dass man sie nicht mehr entfernen kann”

Marcel Proust schreibt im April 1902 an seinen Freund, den rumänischen Aristokraten und Schriftsteller Antoine Bibesco:

Cher ami,

Ich habe soeben die erbauliche und kostbare Broschüre erhalten, die gewiss der Anlass für den Krieg in China war und die mich umso verlegener macht, als ich sie Ihnen kaum zurückgeben kann: Die entzückende Widmung hat den Nachteil, daß man sie nicht mehr entfernen kann, und wenn man sie in Ihrer Bibliothek entdecken würde, könnte man auf den Gedanken verfallen, Sie besäßen unrechtmäßig ein Buch, das mir gehört, und das wäre wohl der Gipfel.

Welche Broschüre hier gemeint ist, oder auf welchen Krieg Proust anspielt, ist nicht geklärt, nicht einmal die klugen Fußnoten aus der neu erschienen Edition wissen das. Jedenfalls würde ich so gern die Widmung sehen. Ob sie so Continue reading