Mühen zum Frühstück

  • Ein schlechter SchaumPotsdam, Frühstückspause der Gerüstbauer
  • Mühen zum Frühstück
  • Chromatische Hoffnungen mit Figur
  • Todernste Katze, kühner Strahl
  • Wärmeunruhen
  • Verwelkte Elefanten
  • Ein asymptotischer Hase
  • Grenzen des Nabels
  • Mein Unkraut in Amerika
  • Hagelplaneten

Diese Titel für Bücher, die noch zu schreiben sind, stammen aus dem fantastischen Buchtitelgenerator. (Hab Dank, liebe C., für den Tipp!) Frage mich, was Clemens Setz von ihnen halten würde. Denke auch an Boris Vian, Haruki Murakami, Anaïs Nin, Richard Brautigan, Ursula K. Le Guin. Halb assoziativ und halb automatisch, so müsste schreiben sich immer anfühlen.

 

Foto: Bundesarchiv Bild 102-09409, Potsdam, Frühstückspause der Gerüstbauer (CC BY-SA 3.0 de)

Sperrmüll

Auf diesem Hinterhof ist was im Werden. Betriebsausflug nach Bratislava, Februar 2018.

[Und ja, mir fehlt die Bank, auf der ich dort mit joh zusammen saß, und das Schild mit der Aufschrift poezia im sichtweiten Fenster. Beim nächsten Recherche-Besuch wird der Ort sich wieder ein wenig verändert haben, und ich habe mir vorgenommen, mich auf dem Weg zum Bahnhof kein drittes Mal zu verlaufen. Ich weiß jetzt, dass das Uhrenmuseum wegen technischer Schwierigkeiten – oder nein, Gebrechen? – geschlossen hat, aber die Suche nach der verlorenen Zeit muss ja auch nicht immer erfolgreich sein. Chronos habe ich dafür sofort entdeckt, der wohnt an der Decke im Pharmaziemuseum und hat eine Uhr im Arm wie einen Saufkumpanen. Lasst den Sperrmüll ruhig ausruhen. Wir sehen uns wieder, ehe der Frühling blüht.]

Nudelsieb und Nadelkissen

Wenn ich an übervolle Wohnungen denke, denke ich zuerst an meine Freundin F. Als wir sechzehn, siebzehn waren und noch bei unseren Müttern wohnten, war ich oft bei ihr in der Souterrainwohnung zu Besuch, zum Horrorfilme Schauen, weil nach dem Tanzen kein Bus mehr bis zu mir an den Stadtrand fuhr, oder um Kaffee mit Zimt zu trinken. Man konnte wunderbar aus dem Fenster schauen und leider mindestens genauso gut von außen hinein. Dabei erwiderten allerdings hunderte Plüschtiere den Blick. Das Bestiarium von F.s Mutter war über die ganze Wohnung verteilt, nur das Kinderzimmer war weitgehend frei von Spielzeug, und so waren einige Exemplare eben auf der Fensterbank daheim. Irgendwann saß eine lebende Katze dazwischen und fiel nicht weiter auf.

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Ein Geist, zwei Hähne

Dieses Bild zeigt geblümte Vorhänge vor einer Zimmertür mit viel Patina.

Von allen Zimmern auf der Reise nach Nepal hat mir das in Bandipur am besten gefallen, in einem Teehaus, wo wir die einzigen Gäste waren und in der Zeit unseres Aufenthalts höflich ignoriert wurden von der scheuen Besitzerin. Für uns drei standen vier Betten bereit, von manchen sah man direkt in die Berge. Nachts zog kühle Luft durch die Fensterläden und am Morgen hat uns ein eifriger Hahn geweckt, ehe der erste Sonnenstrahl dahinter hervorgekrochen kam. Ein anderer Hahn hat uns, weil Bandipur mit Superlativen nicht zu geizen braucht, geradewegs zum besten Dal Bhat der gesamten Reise geführt: in eine Bäckerei, wo ununterbrochen Samosas gerollt und Sandwiches gestapelt wurden. Auch französische Crêpes waren im Programm und viele verschiedene Continue reading

Multitudes, oder: Wer ist Johanna?

Immer wieder mal fragen Leute, die „Das Zeichen für Regen” bis ganz zur letzten Seite gelesen haben, nach Johanna. Ich bin dann um eine Antwort verlegen: Was soll ich bloß sagen? Meine großartige Freundin mit einer sehr schönen Stimme. Mit einem seltenen Sinn für Lyrik und auch sonst einem feinen Gespür: Sie sieht Dinge, zum Beispiel in Wäldern und im Sternenhimmel, die mir selbst verborgen bleiben. Ein kritischer Geist, sie nimmt nichts für selbstverständlich, und wenn man gut zuhört, kann man bei ihr das Hinterfragen lernen. Ein großzügiger Mensch, der gern teilt und wenig fordert. Lustig und liebevoll. Alles nicht falsch, aber es ist auch nicht hinreichend. (Am meisten Johanna steckt für mich vielleicht in der glücklichen Erinnerung an drei geteilte Stück Kuchen in ihrem Zimmer, aber die behalte ich noch eine Weile im Stillen.)

I am large, I contain multitudes, heißt es bei Walt Whitman. Fünfzig Antworten auf die Frage, wer Johanna ist, sind ein ganz guter Anfang, und es ist viel so schöner, auch wahrer, sie selbst erzählen zu lassen. Ich hab’ sie gefragt, ob es okay ist, wenn ich ihr Video teile. Sie hat sofort ja gesagt. Auch das ist Johanna.

Und dies ist Johannas Blog.

“Sind nette Grußworte auf so einer Schmutztitelseite eigentlich noch zeitgemäß?”

DSCF5952 Im neuen Freitag ein paar Gedanken von mir über Widmungen und ihre Bedeutung.
Außerdem zu lesen: ein Beitrag von Millay Hyatt über Grußworte in Zeiten von E-Books, klug in die Zukunft gedacht.

Das ist ein toller Nebeneffekt des Schreibens, sich mit etwas vertraut zu machen, das einem vorher nicht vertraut war. Das hört nicht auf, wenn das Buch gedruckt ist, im Gegenteil: Es entwickeln sich Gespräche, die neuen Impulse und die Gedanken der anderen geben dem eigenen Blick nachträglich Tiefenschärfe (und zeigen oft auch Details auf, die einem vorher entgangen sind). Continue reading