ach ja:

wo warn wir

In Vorbereitung & demnächst im Buchhandel:

wo warn wir? ach ja:
Junge österreichische Gegenwartslyrik
Herausgegeben von Robert Prosser und Christoph Szalay
Limbus Verlag

Mit Gedichten von Maria Seisenbacher, Verena Dürr, Lydia Haider, Fiston Mwanza Mujila, Cornelia Travnicek und vielen mehr. Bin hocherfreut und aufgeregt, dass ich auch etwas beitragen durfte – die Gedichte “die königin von parentesien”, “hundsrose” und “waltraum”. Nicht zuletzt, weil es meine erste Lyrikveröffentlichung ist, hab’ ich schon im Vorfeld ein Glas Sekt in meinem Lufftloch versenkt.

Quelle: Biodiversity Heritage Library

Is it possible to get a night flight?

dahinter und davor

Danke, Papa!

Für den aktuellen Freitag (beste Wochenzeitung Europas) durfte ich über Sentas und meine Tour d’Autriche schreiben, die uns im im Auftrag des Büchereiverbandes in neun Bundesländer, über hundert Berge und durch tausend Wälder geschickt hat, vorbei an immerhin mehreren Seen und in einen hinein.

Zwischen der womöglich krankhaften Neigung, anderen Menschen Bücher zu empfehlen, und dem nackten Horror, dass dabei tatsächlich Publikum anwesend ist, physisch, ist Raum für großes Glück und zahlreiche Entdeckungen. Ich habe auf der ganzen Tournee nur einmal einen Zug verpasst, wir hatten wunderbar schlaflose Nächte in den Hotelzimmern, die man eben so bekommt, wenn man zu spät bucht, und haben vor allem wieder sehr viel lernen dürfen darüber, wie Büchereien große und kleine Ortschaften zusammenhalten. Was all das mit Tilda Swinton und Fibonacci zu tun hat, steht dann im Text.

Du kannst auch einfach იანა zu mir sagen

Der georgische Pavillon auf der Buchmesse gehört zu den schönsten Räumen, die ich kenne. Dreiunddreißig große, schwebend leichte Buchstabenskulpturen aus Holz. Seltsam ausgeleuchtet. Außerdem ein Hub of Emotions, danke, aber den brauchten wir gerade gar nicht.

Auf der Bühne im Pavillon fand am 11. Oktober die Bekanntgabe und Verleihung der PenMarathon-Preise statt und ja, ich hab’ da gewonnen, und bin natürlich noch immer nicht in der Lage, dazu etwas anderes zu stammeln als dass ich sprachlos und auf eine etwas merkwürdige Art glücklich bin. Auch ausgezeichnet wurden Simona Harmeinecke und Sarah Berger, auf der georgischen Seite Mindia Arabuli, Aleko Shugladze und Irma Malatsidze.

Georgischer Pavillon

Die obligatorische schlaflose Nacht nach meiner Rückkehr verbringe ich mit der Anthologie. Der Anthologie! Die deutschsprachigen Texte kannte ich schon, aber ich lese sie nochmal gedruckt. Ich weiß nicht, ob das ein Anachronismus ist (ich bin sehr viel weniger digital native als vermutet, merke ich vor allem im Austausch mit den anderen), aber für mich mach die bloße, simple Gegenständlichkeit des Buchs die ganze Sache ein gutes Stück wirklicher. Die der georgischen Autorinnen und Autoren kannte ich noch nicht und bin sehr beeindruckt, nicht nur, weil sie im Schnitt einfach mal das Doppelte in derselben Zeit geschrieben haben. In Mindia Arabulis Text “Mäuse und Lerchen” zum Beispiel geht es um Glaubensbekenntnisse, es gibt ein ganzes Bestiarium merkwürdiger Gestalten, und nachdem wir uns im Workshop in Marosheni lange mit idealtypischen ersten Sätzen auseinandergesetzt hatten, kommt er lässig mit dem perfekten letzten Satz daher. Und Irma Malatsidze, die georgische Gewinnerin, lässt am Anfang ihrer Story eine Ente verschwinden. Es wird kolportiert, sie sei einfach davongeflogen. Allerdings hat die Ente nur einen Flügel, irgendwas stimmt nicht, und je weiter man liest, desto mehr bestätigt sich dieser Eindruck. Ich kann sofort nachvollziehen, weshalb die Jury diese beiden Texte ausgewählt und ausgezeichnet hat, und bin vor Bewunderung hellwach, ist ja jetzt sowieso schon fast fünf.

Geräuschealbum

Wien, Donauinsel, nachts:

Antwerpen, Plantin-Moretus-Museum, Holzfußboden aus dem 16. Jahrhundert:

Miesbach, Märchenweiher:

Vancouver, Umspannwerk:

Mzcheta, Schwalben über der Swetizchoweli-Kathedrale:

[Was wäre, wenn wir uns statt Bilder zu zeigen Sounds vorspielten? Wie viel bekommt man von einem unbekannten Ort mit, wenn man die Augen schließt? Und klingen Umspannwerke überall gleich?]

Fischsommer

Nun ist es also raus. Ich bin sehr, sehr glücklich, als eine von fünf PenMarathon-Finalist*innen auf die Frankfurter Buchmesse fahren zu können, zusammen mit Sarah Berger, Thilo Dierkes, Simona Harmeinecke und Lasse Kohlmeyer. Ich bin auch ziemlich unglücklich, weil mir die vier Leute, die auf der Liste nicht dabei sind, fehlen und fehlen werden, und es ist enorm schön zu wissen, dass wir einander wiedersehen, bald, und unabhängig davon, wo welcher Name steht.

Foto von einem Koi-Karpfen

Seit dem Wettbewerb werde ich regelmäßig von Erinnerungen heimgesucht und das schlechte Gewissen, weil mein Umfeld dauernd Sätze hören muss, die mit “In Georgien …” anfangen, ist grenzenlos. Am stärksten verfolgt fühle ich mich vom Karpfen Wahrheit. Er ist mir in Vancouver in einem chinesischen Gartenteich entgegen geschwommen, in der Donau habe ich ihn gesehen. So oft wie in diesem Sommer war ich schon sehr lang nicht mehr schwimmen; seit ich in Wien bin, ganz sicher noch nie. Ich würde am liebsten sofort wieder ins Wasser gehen, jetzt, egal, wie spät es ist und wie heiß oder windig. Wassertiere waren mir schon immer sympathisch, aber nie solche Identifikationsfiguren. Ich möchte noch viel mehr Zeit in der Badewanne verbringen und eine Saisonkarte fürs Hallenbad, sollte dieser Sommer je vorbeigehen, wofür derzeit allerdings überhaupt nichts spricht.

Was in dieser ereignisreichen Jahreszeit auch passiert ist: Die großartige Koi Karp hatte ihre erste Ausstellung, hier in Wien, im Kunstraum Damani. Die Bilder, oft eine Symbiose aus Zeichnung und Text, hängen übrigens noch und warten auf Eure Augen. Koi hatte anlässlich der Veranstaltung dort mit der Autorin Isabella Feimer und dem Musiker Ben Hofer, die ganze Tasche voller Überraschungen; alle Gäste durften eine Visitenkarte mit nach Hause nehmen, die per Hand mit einem Literaturzitat verziert und somit einzigartig wurden. (Der Tag eines Kois hat offenbar viele Stunden, oder vielleicht eher die Nacht?) Und Koi meinte ganz locker zu mir, auf die Art, wie nur sie Bedeutungsvolles ganz beiläufig klingen lassen kann: “Klar, du kannst auch einfach ziehen, aber eigentlich habe ich schon eine für dich vorbereitet.”

Illustriertes Zitat "Your bait of falsehood takes this carp of truth"