Sperrmüll

Auf diesem Hinterhof ist was im Werden. Betriebsausflug nach Bratislava, Februar 2018.

[Und ja, mir fehlt die Bank, auf der ich dort mit joh zusammen saß, und das Schild mit der Aufschrift poezia im sichtweiten Fenster. Beim nächsten Recherche-Besuch wird der Ort sich wieder ein wenig verändert haben, und ich habe mir vorgenommen, mich auf dem Weg zum Bahnhof kein drittes Mal zu verlaufen. Ich weiß jetzt, dass das Uhrenmuseum wegen technischer Schwierigkeiten – oder nein, Gebrechen? – geschlossen hat, aber die Suche nach der verlorenen Zeit muss ja auch nicht immer erfolgreich sein. Chronos habe ich dafür sofort entdeckt, der wohnt an der Decke im Pharmaziemuseum und hat eine Uhr im Arm wie einen Saufkumpanen. Lasst den Sperrmüll ruhig ausruhen. Wir sehen uns wieder, ehe der Frühling blüht.]

There’s shrimp in the egg rolls

Hier kommt jetzt eine kurze Werbeunterbrechung für eine meiner Lieblingsserien in diesem Jahr. Ich schwör’, ich kriege nichts dafür.

 


 

Dieses Jahr war ungeheuer, ungeheuer seltsam. Nota bene: Ich beschwere mich an dieser Stelle gewiss nicht über das, was besser hätte laufen können, ich beobachte nur. Für Serien hatte ich 2017 komischerweise immer Zeit, und eine der besten, die ich gesehen habe, war The Marvelous Mrs. Maisel. Mit der umwerfenden Rachel Brosnahan in der Hauptrolle, Dialogen, an denen man sich schneiden kann, und einem Kostümdesign, dass einer schwindlig wird vor lauter Ehrfurcht. Besonders hervorzuheben auch die Performance von Alex Borstein, ohne die die Serie nie geworden wäre, was sie ist.

Produziert wurde diese Serie von Amazon. Wie schon andere tolle Serien zuvor, ich denke an Transparent, trotz einer recht offenkundigen Fehlbesetzung in meinen Augen ein Meilenstein. Oder an I Love Dick,  dessen Verfilmung mit Kathryn Hahn zeigt, zu welch unverfrorenen, überfälligen Statements der kleine Bildschirm fähig ist.

Weil ich im echten Leben ein Fan bin von The Marvelous Mrs. Maisel, bin ich das auch auf Facebook geworden – mit der ernüchternden Konsequenz, dass ich nun eine Menge Werbeanzeigen bekomme, und zwar über den Feed der offiziellen Fanseite. Ich könne mir ein Outfit, wie Midge Maisel es trägt, doch einfach bei amazon.com zusammenklicken. Zeitlos sei es außerdem. Naja. Zu Forschungszwecken habe ich den Link angeklickt und die gezeigten Kleider waren nicht einmal ein billiger Abklatsch dessen, was die Kostümdesignerin Donna Zakowska und andere für die Serie geleistet haben. Man kann gar nicht genug hervorheben, wie gelungen die Serie auch visuell ist, umso mehr fällt auf, was man da für einen lieblos zusammengeschusterten Ramsch angeboten bekommt. Und das im Namen einer Serie, die es selbst nach zehn durchwachten Nächten, abwechselnd im Gefängnis, auf Stand-up-Bühnen und im Babyzimmer verbracht, besser kann. Diese Vermarktungsstrategie ist sowas wie die Garnele in der Frühlingsrolle, je nach Geschmack entweder fehl am Platz oder ungenießbar, und ganz sicher nicht kosher.

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Nudelsieb und Nadelkissen

Wenn ich an übervolle Wohnungen denke, denke ich zuerst an meine Freundin F. Als wir sechzehn, siebzehn waren und noch bei unseren Müttern wohnten, war ich oft bei ihr in der Souterrainwohnung zu Besuch, zum Horrorfilme Schauen, weil nach dem Tanzen kein Bus mehr bis zu mir an den Stadtrand fuhr, oder um Kaffee mit Zimt zu trinken. Man konnte wunderbar aus dem Fenster schauen und leider mindestens genauso gut von außen hinein. Dabei erwiderten allerdings hunderte Plüschtiere den Blick. Das Bestiarium von F.s Mutter war über die ganze Wohnung verteilt, nur das Kinderzimmer war weitgehend frei von Spielzeug, und so waren einige Exemplare eben auf der Fensterbank daheim. Irgendwann saß eine lebende Katze dazwischen und fiel nicht weiter auf.

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Ein Geist, zwei Hähne

Dieses Bild zeigt geblümte Vorhänge vor einer Zimmertür mit viel Patina.

Von allen Zimmern auf der Reise nach Nepal hat mir das in Bandipur am besten gefallen, in einem Teehaus, wo wir die einzigen Gäste waren und in der Zeit unseres Aufenthalts höflich ignoriert wurden von der scheuen Besitzerin. Für uns drei standen vier Betten bereit, von manchen sah man direkt in die Berge. Nachts zog kühle Luft durch die Fensterläden und am Morgen hat uns ein eifriger Hahn geweckt, ehe der erste Sonnenstrahl dahinter hervorgekrochen kam. Ein anderer Hahn hat uns, weil Bandipur mit Superlativen nicht zu geizen braucht, geradewegs zum besten Dal Bhat der gesamten Reise geführt: in eine Bäckerei, wo ununterbrochen Samosas gerollt und Sandwiches gestapelt wurden. Auch französische Crêpes waren im Programm und viele verschiedene Continue reading