Dagegen

Ich bin über den Sommer in eine Recherchegrube gefallen und als ich rauskam, schrieb ich diesen Artikel. Über die Proteste in Japan gegen die Olympischen Spiele – die sich u.a. gegen die Vertreibung von Obdachlosen aus Parkanlagen richten – habe ich mit William Andrews gesprochen.

Und Yu Miris Roman Tokyo Ueno Station hilft sehr, die Zusammenhänge zwischen heutiger Obdachlosigkeit, der Geschichte der Bauindustrie und den Olympischen Spielen in Japan zu verstehen.

Zu lesen im aktuellen Freitag –

Nudeln

Für den aktuellen Freitag habe ich eines der interessanten Bücher besprochen, die ich seit langem gelesen habe: Ihr Körper und andere Teilhaber von Carmen Maria Machado. Eine Geschichte daraus – “The Husband Stitch”, in der deutschen Übersetzung von Anna-Nina Kroll “Der Extrastich” – war schon vorab online beim Granta Magazine zu lesen und hat mich beeindruckt, entsprechend groß waren die Erwartungen (lies: die Fallhöhe). Der Band misst sich aber mühelos an allen Skalen, die man ihm hinhält. Oder springt drüber. Oder beißt in die Hand, die das Maßband ansetzt.

Na, jedenfalls, lesen Sie doch Zeitung & Buch, das ist beides keine Zeitvergeudung, und denken Sie an mich, wenn Sie das nächste Mal Nudeln essen.

Machado

Carmen Maria Machado
Ihr Körper und andere Teilhaber
Aus dem amerikanischen Englisch von Anna-Nina Kroll
Tropen Verlag

ach ja:

wo warn wir

In Vorbereitung & demnächst im Buchhandel:

wo warn wir? ach ja:
Junge österreichische Gegenwartslyrik
Herausgegeben von Robert Prosser und Christoph Szalay
Limbus Verlag

Mit Gedichten von Maria Seisenbacher, Verena Dürr, Lydia Haider, Fiston Mwanza Mujila, Cornelia Travnicek und vielen mehr. Bin hocherfreut und aufgeregt, dass ich auch etwas beitragen durfte – die Gedichte “die königin von parentesien”, “hundsrose” und “waltraum”. Nicht zuletzt, weil es meine erste Lyrikveröffentlichung ist, hab’ ich schon im Vorfeld ein Glas Sekt in meinem Lufftloch versenkt.

Quelle: Biodiversity Heritage Library

Ächzende Häuser

Neulich in Wien: hunderttausend Milliarden Blitze und die passende Lektüre für eine leuchtende Gewitternacht, in der alle Häuser ächzen und schwanken. Lesen, als wäre es Teil einer Séance. Das Buch ist mir vor Jahren im Green Apple Bookstore in San Francisco in die Arme gelaufen und wird seitdem beständig alle paar Monate wieder aus dem Regal geholt.

Es ist ein überbordendes und interdisziplinäres Buch, das viele Filme und Literaturen anzitiert, Thesen zuspitzt, übergreifend und global denkt, Gegenwart und Geschichte zusammenbringt. Dabei werden immer wieder Analogien hergestellt zwischen Haus und Körper, diese beiden Behausungen des Horrors, der sich auf verschiedene Arten äußert. Durch Verzerren der Form (“Distortion & Disproportion”), durch Vervielfältigung (“Doubles”, “Clones”), durch Verfall (“Partially and Mostly Dead”). Die vielen Fotos und Illustrationen bilden ein ganz konkretes Fundament dafür, aber auch der Text selbst ist im besten Sinn anschaulich.

Joshua Comaroff & Ong Ker-Shing
Horror in Architecture
ORO Editions