Fischsommer

Nun ist es also raus. Ich bin sehr, sehr glücklich, als eine von fünf PenMarathon-Finalist*innen auf die Frankfurter Buchmesse fahren zu können, zusammen mit Sarah Berger, Thilo Dierkes, Simona Harmeinecke und Lasse Kohlmeyer. Ich bin auch ziemlich unglücklich, weil mir die vier Leute, die auf der Liste nicht dabei sind, fehlen und fehlen werden, und es ist enorm schön zu wissen, dass wir einander wiedersehen, bald, und unabhängig davon, wo welcher Name steht.

Foto von einem Koi-Karpfen

Seit dem Wettbewerb werde ich regelmäßig von Erinnerungen heimgesucht und das schlechte Gewissen, weil mein Umfeld dauernd Sätze hören muss, die mit “In Georgien …” anfangen, ist grenzenlos. Am stärksten verfolgt fühle ich mich vom Karpfen Wahrheit. Er ist mir in Vancouver in einem chinesischen Gartenteich entgegen geschwommen, in der Donau habe ich ihn gesehen. So oft wie in diesem Sommer war ich schon sehr lang nicht mehr schwimmen; seit ich in Wien bin, ganz sicher noch nie. Ich würde am liebsten sofort wieder ins Wasser gehen, jetzt, egal, wie spät es ist und wie heiß oder windig. Wassertiere waren mir schon immer sympathisch, aber nie solche Identifikationsfiguren. Ich möchte noch viel mehr Zeit in der Badewanne verbringen und eine Saisonkarte fürs Hallenbad, sollte dieser Sommer je vorbeigehen, wofür derzeit allerdings überhaupt nichts spricht.

Was in dieser ereignisreichen Jahreszeit auch passiert ist: Die großartige Koi Karp hatte ihre erste Ausstellung, hier in Wien, im Kunstraum Damani. Die Bilder, oft eine Symbiose aus Zeichnung und Text, hängen übrigens noch und warten auf Eure Augen. Koi hatte anlässlich der Veranstaltung dort mit der Autorin Isabella Feimer und dem Musiker Ben Hofer, die ganze Tasche voller Überraschungen; alle Gäste durften eine Visitenkarte mit nach Hause nehmen, die per Hand mit einem Literaturzitat verziert und somit einzigartig wurden. (Der Tag eines Kois hat offenbar viele Stunden, oder vielleicht eher die Nacht?) Und Koi meinte ganz locker zu mir, auf die Art, wie nur sie Bedeutungsvolles ganz beiläufig klingen lassen kann: “Klar, du kannst auch einfach ziehen, aber eigentlich habe ich schon eine für dich vorbereitet.”

Illustriertes Zitat "Your bait of falsehood takes this carp of truth"

 

 

 

Ein Geist, zwei Hähne

Dieses Bild zeigt geblümte Vorhänge vor einer Zimmertür mit viel Patina.

Von allen Zimmern auf der Reise nach Nepal hat mir das in Bandipur am besten gefallen, in einem Teehaus, wo wir die einzigen Gäste waren und in der Zeit unseres Aufenthalts höflich ignoriert wurden von der scheuen Besitzerin. Für uns drei standen vier Betten bereit, von manchen sah man direkt in die Berge. Nachts zog kühle Luft durch die Fensterläden und am Morgen hat uns ein eifriger Hahn geweckt, ehe der erste Sonnenstrahl dahinter hervorgekrochen kam. Ein anderer Hahn hat uns, weil Bandipur mit Superlativen nicht zu geizen braucht, geradewegs zum besten Dal Bhat der gesamten Reise geführt: in eine Bäckerei, wo ununterbrochen Samosas gerollt und Sandwiches gestapelt wurden. Auch französische Crêpes waren im Programm und viele verschiedene Continue reading